Vergebung - immer und ohne Wenn und Aber?

08.03.2018 | Autor: AG

Fragt man einen Christen: "Was lehrte Jesus – wie oft muss man bereit sein zu vergeben?", so wird er in etwa antworten: "77 Mal, das heißt unbegrenzt."

Fragt man weiter: "Was lehrte Jesus – wie oft muss man vergeben?", dann wird einen der Christ wahrscheinlich mit großen Augen ansehen, als wollte er sagen: "Die Frage wurde doch eben schon gestellt, und ich habe geantwortet: 77 Mal, das heißt unbegrenzt."

Doch es handelt sich nicht um dieselbe Frage.

Vielen Christen, auch Jehovas Zeugen, wird von ihrer Religionsgemeinschaft nicht geholfen, den Unterschied zu erkennen. Nein, es scheint Kirchen nicht wirklich wichtig zu sein, dass ihre Schäfchen den Unterschied zwischen der Vergebungs-Bereitschaft und dem eigentlichen Vergebungs-Akt verstehen.

In der Bibel wird das eine vom anderen aber klar unterschieden.

Und der Unterschied ist so leicht zu erkennen, wie bei einem Autofahrer, der sich an der roten Ampel bereithält loszufahren, aber erst bei Grün losfährt.

Was der Grund für das Dunkelhalten der biblischen Vergebungslehre sein mag, darauf wird später hier eingegangen werden ...

Jesu Gleichnis von den Sklaven und der Vergebung

Beschäftigen wir uns mit Jesu "Vergebungs"-Gleichnis gemäß Matthäus 18:21-35, um Licht ins Dunkel zu bringen. Das Gleichnis handelt von mehreren verschuldeten Sklaven und einem König.
(Wenn dir das Gleichnis nicht so geläufig ist, kannst du es hier vorab durchlesen.)

Lautet die Lehraussage von diesem Gleichnis Jesu wirklich:
"Christen müssen immer, und zwar bedingungslos vergeben"?

Zu dieser Thematik werden, z.B. in den Reihen der Zeugen Jehovas, recht widersprüchliche Ansichten geäußert, sogar in Predigten von geistlichen Vorstehern. Viele dieser Ansichten sind schwerwiegend unbiblisch und unhaltbar.

Das Gleichnis in Matthäus, Kapitel 18 ist feste Speise – es darf nicht oberflächlich behandelt werden. Es geht darin um ernsthafte Verfehlungen, die gegen einen begangen werden. Der König in dem Gleichnis stellt Gott dar. Er rechnet mit seinen Sklaven ab. Sie stehen für die Menschen. Gott hat eine Erwartungshaltung. Er vergibt nicht einfach allen Menschen – er erlässt nicht einfach ohne Weiteres jedermanns Schuld.

Nein, Vergebung erfolgt erst unter bestimmten Voraussetzungen.

In dem Gleichnis fällt der Sklave nieder und bittet um Gnade. Ähnlich vergibt Gott auch uns unsere Schuld bereitwillig, sofern wir ihn darum bitten und bereuen.

Der erste Sklave in dem Gleichnis steht für uns. Ein anderer Sklave schuldet ihm 100 Denare, nicht etwa 1 oder 2. Ein Denar war ein Tagelohn. 100 Denare also 100 Tagelöhne! Das war keine Kleinigkeit (wie oft fälschlich gelehrt wird). Es waren immerhin 3 ½ Monatslöhne! Sicher viel Geld für eine mehrköpfige Familie damals. Daher steht diese Schuld im Gleichnis Jesu nicht für kleine Kratzer oder Schnitzer. Es steht für eine echte Wunde. Doch der zweite Sklave bittet den ersten inständig um Gnade (steht für Vergebung). Der erste Sklave ist aber nicht bereit, ihm "Vergebung" zu gewähren. Das ist verkehrt.

Das wichtige Detail des Bittens des ersten wie auch zweiten Sklaven wird gern bei Predigten übergangen. Und schon manches Gemeindemitglied, das auf die korrekte biblische Vorgehensweise hinwies, hat Redeverbot bekommen (übliche Praxis u.a. bei den Zeugen Jehovas).

Das Gleichnis Jesu lehrt also nicht eine bedingungslose Vergebungspflicht, sondern zunächst einmal die Pflicht zur Bereitschaft zum Vergeben. Und wenn der Schuldige um Verzeihung bittet, soll die Vergebung nicht verwehrt werden, sondern "aus dem Herzen heraus" erfolgen. Dazu sollten Christen bereit sein.

Vielleicht sagt jemand: "Wir werden doch nicht Vergebung davon abhängig machen, ob jemand kommt oder nicht kommt und um Verzeihung bittet!" (Er sollte besser nur von sich sprechen.)

Man bedenke: Hat der König etwa ohne Weiteres allen seinen Sklaven ihre gesamten Schulden erlassen? Muss ein Gläubiger seinen Schuldnern einfach so ihre Schulden erlassen? Die Antwort ist natürlich: Nein.

Und sollten Christen bei der Handhabung von Verfehlungen verschiedener Schweregrade undifferenziert vorgehen und sie alle über einen Kamm scheren?

Leichte Verfehlungen

Das Gleichnis handelt nicht – wie man beim flüchtigen Lesen meinen könnte – von Kleinigkeiten und Unvollkommenheiten, Schwächen und unschönen Eigenheiten unserer Nächsten. Selbstverständlich decken wir kleine Schnitzer und Kratzer in Liebe zu, ohne eine Entschuldigung zu erwarten, und ertragen einander (Epheser 4:32; 1. Petrus 4:8).

Pflaster

Pflaster drauf – und fertig!

Aber das ist nicht der Lehrpunkt dieses Gleichnisses Jesu. Dazu bedarf es keines Gleichnisses. Nichtchristen handhaben das ebenso.

Ernsthafte Verfehlungen

Der Verlust von 100 Denaren war für eine Familie damals keinesfalls eine unbedeutende Nebensächlichkeit, über die man einfach hätte hinwegsehen können. Jesus wollte also offensichtlich mit seinem Gleichnis nicht das Ignorieren von ernsteren Verwundungen lehren, sondern das barmherzige Vergeben.

Man soll barmherzig sein, wenn man um Gnade/Verzeihung gebeten wird.

Einem Glaubensbruder z.B., der sich aufrichtig entschuldigt, die Vergebung zu verwehren mit der Begründung: "Du hast mir sehr weh getan; ich kann dir nicht vergeben" wäre unbiblisch und nicht zulässig. Nein, "in gleicher Weise" wie Gott uns als Bittenden bereitwillig vergibt, sollten wir anderen, die uns um Vergebung bitten, vergeben (Matthäus 18:29, 32, 35). Das ist Jesu eigentliche Hauptaussage.

Rechte und Pflichten von Tätern und Opfern

Man beachte bitte auch: Jesus ermuntert zwar zu Großherzigkeit, spricht aber keinesfalls dem Täter mehr Rechte zu als dem Opfer (Matthäus 5:23, 24). Kein Täter darf meinen: "Ich kann mir alles erlauben; meine Brüder müssen mir ja eh vergeben – bedingungslos und automatisch."

eine Person verlässt verletzt eine Gruppe

Auch redete er dem Opfer keinesfalls seinen Schmerz, seine tiefen Verletzungen und Wunden aus (siehe Vers 15). Jesus übte in solch ernsteren Fällen – und davon handelt das ganze Kapitel 18 – keinen Druck aus, einem anderen zu vergeben, ohne dass Anzeichen der Reue zu erkennen wären (siehe Vers 15-17).

Jesus war, als er zu diesem heiklen Thema Rat gab, nicht einseitig. Er war absolut ausgeglichen und fair in seinen Ansprüchen den beiden Kontrahenten gegenüber.

Im Grunde haben also beide Seiten sowohl Rechte als auch Pflichten:

Opfer mit Beule am Kopf

Das Opfer hat bei ernsten Verfehlungen das Recht, dem Schuldigen "einen Verweis" zu erteilen, wenn doch irgendwann die Schmerzgrenze erreicht ist, weil dieser ihm sozusagen auf die Füße tritt.

Er hat das Recht auf eine Bitte um Entschuldigung und dann die Pflicht zu vergeben.

Täter mit Hammer

Der Schuldige anderseits hat die Pflicht, aufrichtig zu bereuen und um Verzeihung zu bitten (vgl. Lukas 12:58, 59). Und er darf dann berechtigterweise (sogar als Wiederholungstäter gemäß Jesu Worten) auf Vergebung hoffen.

Kein Wenn und Aber?

In manchen kirchlichen Kreisen hört man von Geistlichen (wohl nicht ohne Hintergedanken, wie die Missbrauchsskandale zeigen) und auch unter Zeugen Jehovas immer öfter:

"Vergib doch einfach;
dann wird es dir besser gehen."

So einfach ist das aber in der Praxis oft leider nicht bei schwerem Unrecht. Und tatsächlich ist es sogar ein pseudochristlicher Rat.

Jesus hingegen riet gemäß Lukas 17:3, 4 zu folgender Vorgehensweise:

iconiconicon

"Gebt acht auf euch selbst. Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so erteile ihm einen Verweis, und wenn er bereut, so vergib ihm. Auch wenn er siebenmal am Tag gegen dich sündigt, und er kommt siebenmal zu dir und sagt: "Ich bereue", sollst du ihm vergeben."

Man benötigt mit einer Bibelkonkordanz nur wenige Minuten, um weitere Wenn-Bibelstellen (Bedingungen) zu finden, die mit Sündenvergebung zu tun haben. Nur einige seien hier genannt:

2. Chronika 6:21-30, 36-39

2. Chronika 30:8, 9

Jesaja 1:15-20

Jeremia 3:25 bis 4:1, 2

1. Könige 8:46-50

Es gibt zahllose weitere Stellen, die den Wenn-Gedanken (also die Bedingtheit) herausstellen, und zwar in nahezu jedem Bibelbuch (Johannes 9:39-41).

"Der liebe Gott vergibt alles!" – Wirklich?

Auch die Ansicht vom sogenannten "lieben Gott", der einfach alle Sünden großherzig vergibt, ist weit verbreitet und breitet sich seuchenartig immer weiter aus. Gott habe ja für das Lösegeld Christi gesorgt, und nun sei alles in Ordnung. Jesus habe schon für unsere vergangenen und auch für unsere zukünftigen Sünden bezahlt; nun sollten auch wir "einfach alles bedingungslos und großherzig vergeben".

Das ist eine Irrlehre!

iconiconicon

"Die Sünder werden von der Erde beseitigt werden;
Und was die Bösen betrifft, sie werden nicht mehr sein.
Segne Jehova, o meine Seele. Preiset Jah!" (Psalm 104:35)

JHWH ist nicht der "liebe Gott", sondern der Gott der Liebe. Als solcher ist er in seiner Liebe zum Vergeben bereit. Das ist die eine Hälfte der Wahrheit. Bei einer Halbwahrheit darf es aber nicht bleiben. Die andere Hälfte der Wahrheit ist:

Die Vergebung selbst erfolgt erst unter bestimmten Voraussetzungen. Beleg: Apostelgeschichte 2:37, 38; 3:19; 5:31; 8:22. Gott verzeiht nicht automatisch und auch nicht alles. Und was er von seinen Anbetern in Sachen Vergebung untereinander erwartet, ist, dass sie ihn in seiner Vorgehensweise nachahmen.

Ein einfaches schnelles Vergeben von ernsten Verfehlungen (von diesen handelt Matthäus, Kapitel 18, und davon wird auch hier in dieser Erörterung gesprochen – nicht von Kleinigkeiten oder Kränkungen, die man in Liebe erträgt und vergibt, siehe Kol. 3:13) entspricht nicht der göttlichen Gerechtigkeit und ist kontraproduktiv, weil er Missetätern freien Lauf lässt (Vergewaltigern, Kinderschändern etc.).

In letzter Konsequenz durchdacht, macht sich sogar das unschuldige Opfer, das einfach still sein und vergeben soll, am Leid weiterer Opfer des reuelosen Täters mitschuldig, der in seinem Lauf beharrt und nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

Fußspuren eines Erwachsenen und eines Kindes, die sich kreuzen

Tatsache ist: Man kann nicht vergeben, ohne dazu bereit zu sein. Halten wir das einmal fest. Andererseits kann man durchaus zum Vergeben innerlich grundsätzlich bereit sein, ohne aber zu vergeben, "wenn" die Voraussetzungen (noch) nicht gegeben sind (Luk. 17:3, 4). Ein wahrer Christ ist zum Vergeben prinzipiell stets bereit. Und er vergibt auch Ernstes, sobald die biblisch zugestandenen Bedingungen erfüllt sind. Tritt bei einer ernsten Sünde gegen uns der Täter reuevoll an uns heran und bittet um Verzeihung, so vergeben wir ihm tatsächlich.

Ein unschuldiges Opfer wird von Gott und Christus nicht entrechtet und der Schuldige mit allen Privilegien ausgestattet. Nein, Opfer haben gewisse Rechte. Sie können auf diese zwar verzichten, aber nicht dazu gezwungen werden. Auch gibt es verschiedene Etappen im Vergebungs-Procedere sowie eine Vorgehens-"Weise" Gottes, die es nachzuahmen gilt (z.B. Matth. 18:15-17, 35).

Es ist biblisch völlig legitim, bei schweren Verfehlungen vom Täter Reue zu erwarten, bevor man als Opfer vergeben kann, selbst wenn man schon dazu bereit ist. Es darf einem Opfer aber kein Vorwurf gemacht werden, wenn es bis zur tatsächlichen Einsicht des Sünders noch nicht vergeben hat.

Merke: Der König in Jesu Gleichnis war bereit, die große Schuld zu vergeben. Letztlich hat er dem Sklaven diese aber dann doch nicht vergeben! Interessant, nicht wahr? Erzürnt ließ er ihn ins Gefängnis werfen, wo er starb; denn der Sklave konnte diese hohe Schuld unmöglich jemals abzahlen (Matthäus 18:34).

Warum vergab der König (steht ja für Gott) dem Sklaven nicht, obwohl der König die Bereitschaft dazu schon unter Beweis gestellt hatte?

Der Sklave erfüllte nicht alle Bedingungen; er war nicht bereit gewesen, seinem Mitsklaven zu vergeben, der ihn inständig bat (steht in dem Gleichnis für die Anerkennung der eigenen Schuld und für eine Entschuldigung bei ernsthafteren Verfehlungen); er war unversöhnlich und unbarmherzig (Vers 29). Wichtig ist: In jedem Fall aber haben beide Sklaven allein schon durch ihr inständiges Bitten ihre Schuld anerkannt. Der erste Sklave hatte eine Bedingung erfüllt (seine Schuld anzuerkennen), aber nicht alle (er vergab nicht seinem Mitsklaven, der ihn bat). Somit wurde ihm letztlich auch nicht vergeben.

Resümee Jesu in Vers 35: Wenn wir anderen, die uns um Vergebung bitten, nicht vergeben, kann uns Gott auch nicht vergeben – selbst wenn wir ihn darum bitten und die anderen Bedingungen, die er stellt, erfüllen, nämlich an die Loskaufsvorkehrung glauben und bereuen.

Jesus machte in ähnlicher Weise durch das gut bekannte Mustergebet klar, dass wir, wenn wir – als Sklaven und Schuldner Gottes – im Gebet (im wahrsten Sinne des Wortes!) unseren himmlischen Vater um Vergebung unserer Schulden und Verfehlungen bitten, nur dann auf Erhörung hoffen dürfen, wenn wir selber unseren Schuldnern, die uns um Verzeihung gebeten haben, vergeben (Matthäus 6:9-15, 24). Er gebraucht im Vaterunser dasselbe Wortbild mit "Schulden" und "Schuldnern". Und wenn wir uns bewusstmachen, welch riesigen Sünden-Schuldenberg wir im Verlauf unseres Lebens aufhäufen und Gott uns dennoch vergibt, werden wir unseren Mitmenschen ebenfalls sogar (häufige und) ernstere Verfehlungen vergeben, wenn diese bereut haben.

Ernste Sünden müssen also nicht bedingungslos, "ohne Wenn und Aber" oder "einfach großherzig" vergeben werden. Es besteht, biblisch gesehen, kein Zwang dazu, solange sie nicht bereut worden sind (Lukas 17:3, 4). Jemand darf nicht als schlecht oder lieblos hingestellt werden, der einem Missetäter, der ein schweres Vergehen nicht bereut, nicht vergibt (selbst wenn das Opfer eine bereitwillige Geisteshaltung dazu schon längst einnimmt). In solch einem Fall dürfen einem Opfer keine Nachteile erwachsen. Jesu Gleichnis wird leider auffallend oft fälschlich in diese Richtung ausgelegt.

Zur Veranschaulichung: Einem 100-Meter-Läufer, der am Start bereit steht zum Wettlauf, sagt man ja auch nicht, er dürfe nicht den Startschuss abwarten, sondern solle einfach loslaufen. Auch wird er nicht disqualifiziert, nur weil er bis zum Startschuss wartet.

Ein verzerrtes Bild der Vergebung

Geistliche Lehrer, die den wichtigen Aspekt der Notwendigkeit der Reue bei schwereren Verfehlungen unbedingt entfallen lassen möchten, erzählen im Grunde ein anderes Gleichnis als das, das Jesus erzählte:

"Es war einmal ein König (steht dann für den sogenannten lieben Gott), der allen seinen Sklaven einfach ihre Schulden erließ. Einer seiner Sklaven nahm sich ihn zum Vorbild und erließ einem Mitsklaven auch einfach ungefragt eine nicht unerhebliche Geldschuld. Und er dachte bei sich: ,Wenn dieser Sklave wieder von mir größere Summen an Geld leiht, erlasse ich es ihm auch. Einfach so.´ Das machte Schule. Mit der Zeit verhielten sich alle Untertanen des Königs so. Die Folge war, dass er bankrott ging und alle seine Untertanen auch."
(im Gegensatz zu Lukas 16:1-9!)

Hier werden wichtige Details und damit einhergehende Lehrpunkte aus Jesu Originalgleichnis unterschlagen, zum Beispiel:

  • In Jesu Gleichnis sprachen die Beteiligten miteinander (vgl. Matthäus 5:23, 24; 18:15-17).
  • Es wurden inständige Bitten geäußert.
  • Der König stellte Bedingungen.

Zur Veranschaulichung:

Eine Blume stellt Nektar bereit. Sie gibt ihn jedoch erst ab, wenn die Biene kommt und ihn sucht.

Ersichtlich sind "bereit sein zu vergeben" und "vergeben" keine Synonyme, obwohl sie häufig oberflächlicher- und fälschlicherweise so verwendet werden! (Vgl. 2. Korinther 8:10-12)

Jesu Vergebungslehre – der allgemeine Grundsatz:

  • Christen sollten stets bereit sein zu vergeben (Grundhaltung).
  • Und sie sollten dann auch tatsächlich vergeben (Handlung),
    und zwar
    — unbegrenzt oft (Matthäus 18:21, 22 betont die Häufigkeit),
    — selbst große Verfehlungen (Matthäus 18:28 betont die Schwere)
  • wenn die Voraussetzungen für das Vergeben erfüllt sind (Bedingungen).

Zu den Bedingungen für das Vergeben von größeren Sünden zählen Reue, aber auch Unwissenheit und anderes mag dazu gehören (Apg. 2:38). Selbstverständlich kann ein Christ großzügigerweise auch vergeben, ohne dass Bedingungen/Voraussetzungen erfüllt sind; doch darf man das nicht von ihm verlangen. Hingegen erfüllt die Geringfügigkeit einer Verfehlung stets die Voraussetzung für das Vergeben.

Die Bereitschaft zu vergeben an sich (Grundhaltung) sollte also bei Christen immer vorhanden und niemals an Bedingungen geknüpft sein. Das eigentliche Vergeben hingegen (der Akt des Vergebens) ist an Bedingungen geknüpft.